Auszüge aus einem Vortrag vor der
Werbegemeinschaft in Bergkamen
..............wir Kaufleute in der
Ruhrgebietsrandzone müssen genau und hoch sensibel hinsehen was sich
um uns herum entwickelt. Nichts passiert von Knall auf Fall, sondern
langsam und schleichend. Bis manche Veränderungen unsere Ladentür
erreichen vergehen oft viele Jahre.
Das Ruhrgebiet
wandelt sich seit Jahren zu einer Metropole und bietet seinen
Bürgern ein Kulturangebot, das Weltstädte wie New York, Paris oder
Berlin in den Schatten stellt.
Die Region erfährt für diesen Wandel bundesweite Anerkennung und
Beachtung.
Bei uns Bürgern von Hamm bis Duisburg wächst ein WIR-GEFÜHL für
die Region zwischen Rhein und Ruhr. Wir sind Stolz darauf, im
„POTT“ zu leben.
Der „ POTT“ wird Kult .
Die Menschen im „POTT“ entwickeln eine neue regionale
Mobilität.
MANN und FRAU sind mehr und mehr in der Lage, eigenen „Gästen von
draußen“ MEIN Ruhrgebiet zu zeigen.
Umfragen in Theater und Kabaretts in der RUHRMETROPOLE, zeigen seit
Jahren deutlich wachsende Besucherzahlen, die nicht aus dem direkten
Groß-Stadtumfeld kommen.
Mit dem Wandel der Kohle-und-Stahl-Region zu
Dienstleistung, Handel, Medien und Kultur wächst gleichzeitig auch
ein enormer Konkurrenzdruck der Ruhrgebietsstädte untereinander.
Die wachsende Mobilität ist Fluch und Segen.
Die großen Ruhrgebietsstädte haben mit überdachten „ Einkaufs-
und Erlebnistempel“ bereits den Kampf um den mobilen Konsumenten
aufgenommen.
Hervorragende Verkehrsverbindungen erlauben es den WERBESTRATEGEN
in Einzugskreisen von oft bis zu 100 Bahn- und/oder Autominuten
zu denken und zu planen.
Untersuchungen weisen nach, das schon heute, allein nur in den
Großstadt-zentren (Dortmund / Essen/ Bochum / Hamm ), jeder 3.
Einkäufer von außerhalb kommt.
Nicht mehr allein in den Großstädten gehört es zur
selbstverständlichen Regel, das kaufmännische
WERBEGEMEINSCHAFTEN , plus WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG plus
KULTURAMT an „ einem Strick ziehen“ und ihren Beitrag zu einem
gemeinsamen, professionell organisierten „ MARKETING-Mix „
leisten.
KULTUR-SPONSORING tut sichtbar allen gut.
Die Formel ist einfach:
Einkaufen ist Entertainment und Entertainment muß zum Einkauf
führen.
Die WERBEWALZE, die über die Ruhrgebietsstädte sich zu bewegen
beginnt, neutralisiert sich nur in westliche Richtung (Gegenkraft
der jeweiligen anderen Großstadt) aber weicht zwangsläufig in des
ländliche Ruhrgebiet-Umland aus.
So bietet der Kreis Unna und das angrenzende Sauerland das
natürliche Kaufkraftreservoir. Vor allem für Dortmund und
Hamm.
Es gibt Warner, die für historisch gewachsene Stadt-u. Ortskerne
gewaltige Strukturveränderungen in der nahen Zukunft sehen. Manche
gehen so weit zu behaupten, dass die Auswirkungen der Veränderungen,
nur von den Folgen des letzten Krieges übertroffen werden.
Damals waren es
bauliche Zerstörungen, heute sind es ökonomische Entwicklungen, die
die gewachsenen Versorgungsstrukturen gefährden.
In den Ortskernen werden Veränderungen sichtbar, die darauf
hindeuten, das in Zukunft das Innenstadtbild nicht mehr überwiegend
durch den Einzelhandel geprägt sein könnte.
Ursache ist insbesondere, die AUFGABE mittelständischer
Einzelhandels- und Gewerbebetriebe im Rahmen der Unternehmens-und
Umsatzkonzentration.
Sie zerstören die Identität einer standortspezifischen
Handelskultur.
Fachleute mit Praxis in der Kommunalberatung gehen davon aus, das
vitale und wirtschaftlich intakte Innenstädte eine Leerstansquote
von bis zu 5 % im Rahmen einer normalen Geschäftsfluktuation
verkraften. Ohne das gravierende Angebots-und Imageverluste
eintreten.
Was mancherorts an Leerständen heute zu beobachten ist, geht schon
darüber hinaus.
Die Folgen sind Fatal: Dem Angebotsschwund folgt
der Käuferschwund .
Am Ende der Entwicklung steht die Innstadt ohne qualifizierten
Einzelhandel- mit
Ramsch-Läden, Imbiss-Stuben, Spielhallen, Videotheken, Sonnenstudios
und verwahrlosten Geschäftsgebäuden.
“Schleichendes entwohnen“ markieren den Schlusspunkt der
Verödung der Cities.
Der mobile „
Konsument“ wird sich dieser Situation entziehen.
Er fährt mit seinem
Auto an den Stadtrand in die Konsumtempel direkt vor die Ladentür.
Selbstverständlich überdachte Parkplätze.
Menschen sind aber nicht nur „Konsumenten“.
Es besteht die Gefahr, das wir als Stadtbürger verlieren könnten.
Zu einer Stadt zu gehören, gehört zu unseren Identitätsmerkmalen.
Mit dem Stadtnamen weisen wir uns ebenso aus wie mit unserem
eigenen.
"Wo wohnst Du?", und: "Wo kommst Du her?", sind Fragen, die im
Alltag den Gefühlsraum für Bekanntschaft und Freundschaft entstehen
lassen können.
In unserer Stadt liegen auch unsere lebensgeschichtlichen
Stationen.
Der Kindheit, der ersten Liebe, Schule und Beruf, der Trennungen und
Abschiede.
„ Unsere Stadt „ macht unser Lebensbild erst konkret.
Die Lebensqualität einer Stadt definiert sich für ihre Bewohner
hauptsächlich über die Lebendigkeit und Vielgestaltigkeit der
Aktivitäten und Einrichtungen in ihrer Stadt, mehr noch in ihren
Stadtteilen.
LEBENSQUALITÄT, kein
neues Schlagwort, ist in den letzten Jahren mehr und mehr in den
öffentlich-politischen Wortschatz eingesickert.
Ein bis zwei Zeilen zur Lebensqualität, fehlen in
keinem Parteiprogramm.
Lebensqualität wird z.Z. als wichtige Größe in der neuen kommunalen
Diskussion herausgestellt.
Bürger lesen das so:
“Oberste Zielsetzung eines Stadtmarketing-Prozess , wie auch
kommunaler Entwicklungspolitik ist die Steigerung der LEBENSQUALITÄT
„
Würde sich jemand in der Kommunalpolitik lächerlich machen, wenn er
einen
Ausschuß für LEBENSQUALITÄT fordern würde ?
Kaufleute in Gelsenkirchen waren die ersten, die Idee und Begriff :
"Tourismus" in die Diskussion der Ruhrgebietsstaedte einführten.
Beim TOURISMUS geht es um ERLEBEN.
Um das Erleben „fiktiver Räume “. Diese Erfahrung ist in allen
Kulturkreisen verbreitet und scheint zu den menschlichen
Grundbedürfnissen zu gehören.
Das Stichwort heißt: Imagination .
Parallelen lassen sich in den Welten der Kunst, Literatur, in
Film, Theater und Spiel finden.
Die ebenfalls den Menschen aus der Gebundenheit des Alltags
herausführen.
“ Reisen ist Leben und Leben ist Reisen“
Reisen
im Sinn von Alltagsveränderung, ist ein wirksames Mittel,
um vorübergehend in eine andere Wirklichkeit einzutreten, nicht im
Sinne einer Flucht, sondern als produktive Leistung, die neue
Erfahrung bringt, dass
“ Phantasiewelten“ nicht nur geträumt, sondern physisch aufgesucht
werden.
Das Wissen um den Handlungsmechanismus um das Instrumentarium und
den tiefen Kern „ Tourismus-“ sprich „ ERLEBNISWELT “ ist
natürlich für alle „WERBEAGENTUREN“ Basiswissen, das langsam von
Politik, Wirtschafts-förderung und sowieso von STADTMARKETING
erkannt wird.
Wenn sich eine Werbegemeinschaft von Kaufleuten für „Tourismus“
stark macht, dann bedeutet das , den „Tunnelblick“ zu erweitern .
Denn
- „touristischen Maßnahmen“ berühren immer auch menschliche
Grundbedürfnisse
und
- Anstrengungen in touristischen Handlungsfeldern haben immer
multifunktionale
Auswirkungen.
Das heißt praktisch:
1. die eigene „ kultur-touristische-Stadt-Einkaufswelt“ als
Alternative zu
entwickeln und damit Steigerung der LEBENSQUALITÄT.
2. Steigerung der „Stadt-Attraktivität “
4. Steigerung der „Erlebniswelt Innenstadt „
3. Aufbau einer Corporate Identity in diesem Fall ein „WIR-GEFÜHL“
der
Bürger mit ihrer Stadt.
4. Verhinderung von Kaufkraftabfluß
5. Gewinnung neuer Käuferschichten jenseits der Stadtgrenzen.
Eine Stadt wird ihre Attraktivität nur dann halten und steigern,
wenn sie die Dienstleistungspalette von Einzelhandel, Tourismus,
Freizeitwirtschaft und das Kulturangebot der Stadt zu einem Produkt
verschmelzen und positionieren kann
„Identität“ ist
Quantität, Qualität und Kontinuität von Kleinereignissen.
Es ist nicht das spektakuläre Einmalige, sondern es ist eine stete
Folge von vielen qualitativ reichhaltigen und wichtigen
Ereignissen.......................... |